Verortung & Perspektive _46

Verstand 13. November 2022

Robert Musil
(1880-1942)

Die Verwirrungen des Zöglings Törleß 
Roman
Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main, 2017

Ein Militär-Internat zur Zeit der Donaumonarchie: 

Die Kadetten Törleß, Reiting und Beineberg überführen ihren Mitschüler Basini des Diebstahls und missbrauchen ihn als Versuchsobjekt. 

Robert Musils berühmte Schülergeschichte aus dem Jahr 1906 erzählt nicht nur von den Unsicherheiten und Abgründen der Pubertät, sondern auch von den Gewaltpotentialen am Vorabend des Ersten Weltkriegs. 

1966 von Volker Schlöndorff verfilmt, ist Musils Roman eine bis heute aktuelle Parabel über Gleichgültigkeit und Gewalt.

Es geht um Täterschaft und Voyeurismus, um Männlichkeit und Sexualität, um die Mitschuld des Zuschauers und die Angst vor dem Fremden im Eigenen.

(Klappentext)

Johann Sebastian Bach (1685-1750) : Concerto in F Minor, Bwv 1056 : II Largo
 

Perspektive 46

Robert Musil wurde 1880 als einziges Kind von Alfred & Hermine Musil in Klagenfurt geboren.
Robert Musil studierte von 1903-1908 in Berlin Philosophie, Psychologie, Mathematik und Physik.
Robert Musil veröffentlichte 1906 seinen autobiographisch gefärbten ersten Roman: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß.

Ein ungemein aktueller Text:
über Irrungen & Verwirrungen, über Beziehung & Erziehung,
über Täter & Verräter, über das Zuschauen & Wegschauen,
über Lust & Frust, über Perversion & Obsession,
über Scham- & Ehrlosigkeiten, über sadistische Bildungswege & Sadismus als Bildungsweg, 
über Missbrauch & Brauchtum, Pein- & Gehorsames, Leiden & Schweigen.

Ein ungemein aktueller Text:
wird doch die Kindheit & Pubertät bis heute von all den oben aufgezählten Befindlichkeiten geprägt, verschattet & deformiert.
Und somit der weitere Lebensweg des „Zöglings“ entscheidend gestaltet, beeinflußt & dominiert.

Wie umgehen mit all den Abgründen in und um uns…?
Der Philosoph Epiktet, ein ehemaliger römischer Sklave, unterbreitet dazu eine nicht unwesentliche Gebrauchsanweisung:

Aber vor sich selber ist er auf der Hut, wie vor einem Feinde und Verräter.

Zum Beispiel.
Eine (unbequeme) Möglichkeit zur Verbesserung der Lage.   

(Renald Deppe)