{"id":3865,"date":"2022-09-11T10:00:00","date_gmt":"2022-09-11T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.raetia.net\/?p=3865"},"modified":"2024-06-11T15:07:58","modified_gmt":"2024-06-11T13:07:58","slug":"verortung-perspektive-_37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/verortung-perspektive-_37\/","title":{"rendered":"Verortung &#038; Perspektive _37"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-columns alignwide is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"303\" height=\"166\" src=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/Olga-Togarczuk-II.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3869\" srcset=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/Olga-Togarczuk-II.jpg 303w, https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/Olga-Togarczuk-II-18x10.jpg 18w\" sizes=\"auto, (max-width: 303px) 100vw, 303px\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h6 class=\"wp-block-heading\" id=\"wasserstand-12-juni-2022\">Informationsstand 11. September 2022<\/h6>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong><strong>Olga Tokarczuk<\/strong><\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">(*1962 in Sulech\u00f3w bei Zielona G\u00f3ra, Polen)<\/h2>\n\n\n\n<p><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#ff0000\" class=\"has-inline-color\"><strong>DIE<\/strong><br><strong>JAKOBS<\/strong><br><strong>B\u00dcCHER<\/strong><\/mark><\/p>\n\n\n\n<p>oppure<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine gro\u00dfe Reise \u00fcber sieben Grenzen<\/strong><br>durch f\u00fcnf Sprachen und drei gro\u00dfe Religionen,<br>die kleinen nicht mitgerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Reise, erz\u00e4hlt von den Toten<\/strong><br>und von der Autorin erg\u00e4nzt<br>mit der Methode der Konjektur,<br>aus mancherlei B\u00fcchern gesch\u00f6pft<br>und bereichert durch Imagination,<br>die gr\u00f6\u00dfte nat\u00fcrliche Gabe des Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Den Klugen zum Ged\u00e4chtnis, den Landleuten zur Besinnung,<\/strong><br>den Laien zur erbaulichen Lehre, den Melancholikern zur Zerstreuung.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Polnischen von<br>Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein<br><em>Kampa Verlag, Z\u00fcrich 2019<\/em><br>Die polnische Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel<br>\u00bbKi\u0229gi Jakubowe\u00ab i<em>m Verlag Wydawnictwo Literackie.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong> \u00bbNUR DER FREMDE VERSTEHT DIE WELT.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Er galt als Luther der Juden &#8211; seine Anh\u00e4nger sahen in ihm einen Messias, f\u00fcr seine Gegner war er ein Scharlatan, ja Ketzer.<br>Jakob Frank war eine der schillerndsten Gestalten im Europa des 18. Jahrhunderts.<br>Die Religionen waren ihm wie Schuhe, die man auf dem Weg zu Herrn wechseln k\u00f6nne:&nbsp;<br>Er war Jude, bevor er mit seiner Gefolgschaft zum Islam und dann zum Katholizismus konvertierte.<br>Er war ein Grenzg\u00e4nger, der, aus dem ostj\u00fcdischen Schtetl stammend, das Habsburger und Osmanische Reich durchstreifte und sich schlie\u00dflich in Offenbach am Main niederlie\u00df.<br>DIE JAKOBSB\u00dcCHER sind das vielstimmige Portr\u00e4t einer ambivalenten, faszinierenden historischen Figur, deren Lebensgeschichte zum Vexierbild einer Welt im Umbruch.<br>Olga Tokarczuk hat einen historischen Roman \u00fcber unsere Gegenwart geschrieben, der zugleich, zutiefst aufkl\u00e4rerisch, ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr Emanzipation, Toleranz und Vielfalt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>(Klappentext)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/08-The-Dream-of-Jacob-1994-Remastered-Version.m4a\"><\/audio><figcaption><strong><strong><strong>Krzystof Penderecki<\/strong> <\/strong><\/strong>(1933 &#8211; 2020) :&nbsp;<br>Als Jakob erwachte aus dem Schlaf, sah er, da\u00df Gott dagewesen war. Er hat es aber nicht bemerkt. (1974)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"perspektive-24\">Perspektive 37<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir wissen es:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Literatur-Nobelpreis kann &#8211; muss aber nichts deuten.<br>Der Literatur-Nobelpreis kann &#8211; muss aber nichts bedeuten.<br>Der Literatur-Nobelpreis kann &#8211; muss aber nicht f\u00fcr literarische Qualit\u00e4ten stehen.<br>Der Literatur-Nobelpreis kann &#8211; muss aber nicht angenommen werden.<br>Der Literatur-Nobelpreis kann &#8211; muss aber nicht vergeben werden.<br><br>Der Literatur-Nobelpreis des Jahres 2018 ging an die polnische Autorin Olga Tokarczuk.<br>Der Literatur-Nobelpreis des Jahres 2018 wurde r\u00fcckwirkend im Jahr 2019 vergeben.<br>Skandale &amp; Austritte ersch\u00fctterten 2018 die Akademie und verunm\u00f6glichten damals eine Vergabe.<br>Die Wahl der Preistr\u00e4gerin und die Vertagung des Festaktes waren eine weise Entscheidung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Olga Tokarczuks Roman spielt zur Zeit eines dualistischen, f\u00f6deralen und feudalen St\u00e4ndestaates.&nbsp;<br>In der \u00bbK\u00f6niglichen Republik der Polnischen Krone und des Gro\u00dff\u00fcrstentums Litauens (1559-1795).&nbsp;<br>Eine St\u00e4dtereise von Norden nach S\u00fcden:<br>Dorpat (heute Estland) \u00fcber Witebsk (heute Belarus) und Smolensk (heute Russland) bis Kudak &amp; Tomakiwka &nbsp;(heute Ukraine).<br>Eine St\u00e4dtereise von Westen nach Osten:<br>Danzig (heute Polen) \u00fcber Riga (heute Lettland) und Vilnius (heute Litauen) bis Kiew &amp; Poltawa (heute Ukraine).<\/p>\n\n\n\n<p>Gesprochen wurden im Gro\u00dff\u00fcrstentum Litauen, Herzogtum Livland &amp; Preu\u00dfen&nbsp;<br>und in dem Gebiet der Polnischen Krone folgende Kanzlei- &amp; Landessprachen:<br>Polnisch, Masurisch, Litauisch, Schemaitisch, Lettisch, Kaschubisch, Ruthenisch,<br>Deutsch, Russisch, Hebr\u00e4isch, Jiddisch, Armenisch, Ukrainisch, Altbelarusschisch &amp; Latein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bev\u00f6lkerung bestand also aus Polen, Litauern, Deutschen, Juden, Letten, Esten,&nbsp;<br>Belarussen, Ukrainern, Gro\u00dfrussen &amp; Tataren. Mit einer einzigartigen konfessionellen Vielfalt.<br>Nach 1795 wurde die Adelsrepublik Polen-Litauen (welche u.a. die Leibeigenschaft aufrecht erhielt)&nbsp;<br>zwischen dem Hause Habsburg, dem K\u00f6nigreich Preussen und dem russischen Kaiserreich aufgeteilt.&nbsp;<br>Und von der Landkarte gel\u00f6scht. Bis 1918.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zwischenkriegszeit wurden die Zu- &amp; Umst\u00e4nde in der Adelsrepublik besonders in Polen romantisiert.<br>Und zum konstituierenden Mythos des polnischen Nationalbewusstseins verkl\u00e4rt.&nbsp;<br>Zumeist ohne Kenntnis der historischen sozialen, konfessionellen, politischen &amp; \u00f6konomischen Realit\u00e4ten.<br>Als Olga Tokarczuk ihren Roman 2014 in Polen ver\u00f6ffentlichte bekam die Autorin Morddrohungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Olga Tokarczuk schildert die unterschiedlichen Lebensrealit\u00e4ten jener Zeit. Schonungslos. Liebevoll. Sorgsam.<br>Berichtet von Standesd\u00fcnkel &amp; Standesunterschiede. Glaubenseifer &amp; Glaubensbekenntnisse.<br>Rechtlosigkeit &amp; Rechtschaffenheit. Bauernschl\u00e4ue &amp; Bauernnot. Adelsprivilegien &amp; Adelswillk\u00fcr.<br>Olga Tokarczuk schildert anhand von Vergangenem (nicht nur) unsere Gegenwart in diesen Regionen.<br>Auf mehr als tausend Seiten. Mit mehr als tausend Stimmen werden (auch) verschwundene Welten beschworen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Gegenwart l\u00e4\u00dft (nicht nur) in diesen Gebieten vieles verschwinden. Auch und besonders Menschen.<br>Olga Tokarczuk warnt in ihrem Roman (nicht nur) vor nationalgedachten Wider-, Un-, Starr-, Schwach- &amp; Stumpfsinn.<br>Olga Tokarczuk schildert den konfessionellen Bl\u00f6d-, Hinter-, Wahn-, Gerechtigkeits-, Tr\u00fcb- &amp; Tiefsinn jener Epoche.<br>Der Literatur-Nobelpreis des Jahres 2018 ging an die polnische Autorin Olga Tokarczuk. Sie hat ihn wahrlich verdient.<\/p>\n\n\n\n<p>(Renald Deppe)<\/p>\n\n\n\n<p>P.s.:<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte die geneigte Leserschaft an Fakten &amp; Perspektiven historischer Geschichtsschreibung interessiert sein,<br>sollten die wertgesch\u00e4tzten Leser &amp; Leserinnen an Ver- &amp; Entflechtungen von Familien-, Patriarchen- &amp; Oligarchenzwistigkeiten Interesse haben,<br>das Institut zur Verbesserung der Lagen empfiehlt zur Verbesserung der Fragen (nicht nur) im aktuellen Konflikt: &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Andreas Kappeler<\/strong><br><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#ff0000\" class=\"has-inline-color\">Ungleiche Br\u00fcder<\/mark><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Russen und Ukrainer<br>Vom Mittelalter bis zur Gegenwart<br><em>C.H. Beck Verlag, M\u00fcnchen 2017<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Renald Deppe)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":3871,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-3865","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ab-und-zu-stand","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-25","no-featured-image-padding","resize-featured-image"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3865","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3865"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3865\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4275,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3865\/revisions\/4275"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3871"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3865"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3865"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3865"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}