{"id":3303,"date":"2022-07-03T10:00:00","date_gmt":"2022-07-03T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.raetia.net\/?p=3303"},"modified":"2024-06-11T15:13:01","modified_gmt":"2024-06-11T13:13:01","slug":"verortung-perspektive-_27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/verortung-perspektive-_27\/","title":{"rendered":"Verortung &#038; Perspektive _27"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-columns alignwide is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"174\" src=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/leila-slimani-II.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3309\" srcset=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/leila-slimani-II.jpg 290w, https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/leila-slimani-II-18x12.jpg 18w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h6 class=\"wp-block-heading\" id=\"wasserstand-12-juni-2022\">Querstand 3. Juli 2022<\/h6>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"marcel-proust-1871-1922\"><strong>Le\u00efla Slimani<\/strong><br>(*1981)&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#ff0303\" class=\"has-inline-color\"><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong>Der Duft der Blumen bei Nacht<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/mark><\/strong><br><em>Luchterhand Literaturverlag, M\u00fcnchen 2022<\/em><br>Aus dem Franz\u00f6sischen von Amelie Thoma<\/p>\n\n\n\n<p>Franz\u00f6sische Originalausgabe:<br>\u00bbLe parfum des fleurs la nuit\u00ab<br><em>\u00c9ditions Stock, Paris 2021<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWenn es Einsamkeit gibt, was ich nicht wei\u00df,<br>h\u00e4tte man wohl das Recht, gelegentlich davon zu tr\u00e4umen wie von einem Paradies.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Albert Camus<br><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWo Kunst ist, wo Talent ist, da gibt es kein Alter,<br>keine Einsamkeit, keine Krankheiten, und selbst der Tod ist halb so schwer.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Anton Tschechow<\/p>\n\n\n\n<p>(Einleitungszitate aus: \u00bbLe\u00efla Slimani: Der Duft der Blumen bei Nacht\u00ab)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Oberste Regel, wenn man einen Roman schreiben m\u00f6chte, ist NEIN zu sagen. Nein, ich komme nicht mit auf ein Glas. Nein, ich kann nicht meinen kranken Neffen h\u00fcten. Nein, ich habe keine Zeit f\u00fcr ein Mittagessen, ein Interview, einen Kinobesuch. Man muss so oft NEIN sagen, dass die Anfragen schlie\u00dflich selten werden, das Telefon nicht mehr klingelt und man irgendwann bedauert, nur noch Werbung im Posteingang zu finden. Nein sagen und als Misanthropin, arrogant, krankhaft ungesellig gelten. Um sich herum eine Mauer aus Absagen errichten, an der gesellschaftliche Verlockungen zerschellen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Schreiben ist Disziplin. Es ist Verzicht auf Gl\u00fcck, auf die allt\u00e4glichen Freuden. Ohne Aussicht auf Heilung oder Trost. Man muss, im Gegenteil, sein Leid kultivieren. Man muss seine Wunden aufrei\u00dfen, die Erinnerungen aufw\u00fchlen, Schamgef\u00fchl und alte Tr\u00e4nen wachrufen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Das, was wir nicht sagen, geh\u00f6rt uns f\u00fcr immer. Schreiben hei\u00dft, mit dem Schweigen spielen, auf Umwegen Geheimnisse aussprechen, die im wahren Leben unaussprechlich sind. Die Literatur ist eine Kunst der Zur\u00fcckhaltung. Man h\u00e4lt sich zur\u00fcck wie am Beginn einer Liebe, wenn uns banale S\u00e4tze in den Sinn kommen, feurige Schw\u00fcre, die man sich zwingt, f\u00fcr sich zu behalten, um die Sch\u00f6nheit des Moments nicht zu ruinieren. Die Literatur besteht aus der Erotik des Schweigens. Was z\u00e4hlt ist, was man nicht sagt. In Wahrheit ist es vielleicht unsere Zeit und nicht mein Beruf einer Schriftstellerin,<br>die mich dazu bringt, Ruhe und Einsamkeit zu ersehnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Ich bewundere Leute, die sagen: \u00bbIch habe vor nichts Angst.\u00ab<br>Ich bin fasziniert von Menschen, die k\u00f6rperlichen oder moralischen Mut beweisen, die keine Konflikte scheuen, die nicht mitten auf der Stra\u00dfe losrennen, weil sie von irrationaler Panik erfasst werden. Ich, die ich so furchtsam bin\u2026 Ich liebe es, in der Dunkelheit eines Kinosaals eingeschlossen zu sein. Ich habe keine Angst in Bibliotheken, in Buchl\u00e4den, in kleinen Stadtteilmuseen, die man weniger wegen der Qualit\u00e4t der Ausstellung betritt, als um sich irgendwo aufzuw\u00e4rmen. Den Rest der Zeit habe ich Angst. Vielleicht liegt das daran, dass ich von einer besorgten Mutter gro\u00dfgezogen wurde,&nbsp;deren Devise war: \u00bbVorsicht!\u00ab Einer Mutter, die \u00fcberall Risiken sah: hinfallen, sich wehtun, sich den Tod holen oder Triebt\u00e4ter anlocken. Damals nahm ich es ihr \u00fcbel, dass sie so \u00e4ngstlich war. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass sie mich am Leben hinderte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Im Zentrum des Museums ragen gro\u00dfe schwarze Monolithe auf, die von innen beleuchtet sind. Durch die get\u00f6nten Scheiben dieser gigantischen Terrarien erkennt man die Zweige und Bl\u00e4tter des Nachtjasmins, des <em>galant de nuit<\/em>, den man auch <em>mesk el arabi<\/em>(arabischer Moschus) nennt. In Marokko kommt er h\u00e4ufig vor und wird von Dichtern und allen Liebenden besungen. Seine Besonderheit ist, dass er den st\u00e4rksten Duft des&nbsp;Pflanzenreichs&nbsp;verstr\u00f6mt und dass sich, wie beim Stechapfel,<br>einem weiteren Gew\u00e4chs, das mich als Kind fasziniert hat, seine Bl\u00fcten nur nachts \u00f6ffnen. Ich denke, dass die Natur auf verr\u00fcckte Ideen kommt. Die Bl\u00fcten erscheinen erst, wenn es dunkel ist, als wolle der Baum seine Sch\u00f6nheit bewahren, sie geheim halten, sie nicht den Blicken preisgeben, so wie auch ich davon tr\u00e4ume, mich der Welt zu entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;In Rabat gab es einen Nachtjasmin neben der T\u00fcr meines Hauses.<br>Im Sommer, wenn es Abend wurde, lie\u00dfen wir das Fenster offen, um einen frischen Luftzug zu erzeugen, und mein Vater sagte: \u00bbRiecht ihr das? Das ist der Kavalier der Nacht!\u00ab Es begeisterte ihn jedes Jahr aufs Neue. Ich brauche nur die Lider zu schlie\u00dfen, um mich an diesen bet\u00e4ubenden und s\u00fc\u00dfen Duft zu erinnern. Tr\u00e4nen steigen mir in die Augen. Da sind sie, meine Gespenster. Da ist er, der verlorene, versunkene Duft meiner Kindheit. Ich hei\u00dfe Nacht. Das ist die Bedeutung meines Vornamens,&nbsp;Le\u00efla, auf Arabisch. Doch ich bezweifle, dass das gen\u00fcgt, um die Anziehung zu erkl\u00e4ren, die das n\u00e4chtliche Leben schon sehr fr\u00fch auf mich ausge\u00fcbt hat. Tags\u00fcber verhielt sich jeder so, wie man es von ihm erwartete. Man wollte den Schein wahren, sich von seiner tugendhaften, angepassten, schicklichen Seite zeigen. In meinen Kinderaugen waren die Tagesstunden den gew\u00f6hnlichen und monotonen T\u00e4tigkeiten zugedacht. Dann kam die Nacht. Man schickte uns ins Bett, und ich hege den Verdacht, dass, w\u00e4hrend wir schliefen, andere Akteure die B\u00fchne betraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen redeten anders, die Frauen waren sch\u00f6n, sie hatten ihre Haare hochgesteckt, zeigten ihre schimmernde und duftende Haut. Sie schienen mir zerbrechlich, wenn sie zu viel tranken, wenn sie lachten, doch sie strahlten zugleich eine unbeugsame Kraft aus.<br>Diese Metamorphosen erstaunten mich. Und als ich alt genug war, um auszugehen, oder sogar noch etwas fr\u00fcher, ergriff eine Art Raserei von mir Besitz. Ein Dr\u00e4ngen, ein Hunger, die mich zwangen, mich selbst in die Nacht hinauszuwagen. Ich wollte kein braves kleines M\u00e4dchen mehr sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Der Nachtjasmin ist der Duft meiner L\u00fcgen, meiner Jugendlieben, heimlich gerauchter Zigaretten und verbotener Feste. Er ist das Aroma der Freiheit. Der Strauch stand da, neben der eisernen T\u00fcr, die ich so leise wie m\u00f6glich aufdr\u00fcckte, um meine Freunde zu treffen.<br>Ich verlie\u00df das Haus in der Nacht und kam bei Tagesanbruch zur\u00fcck, wo mich derselbe Duft empfing. Intensiv in der Dunkelheit, verblassend im Morgengrauen. Als Jugendliche entdeckte ich die Kneipen, Bars, Diskotheken, die Feste in Strandh\u00fctten, die dunklen und leeren Stra\u00dfen meiner schlaftrunkenen Hauptstadt. Zu einer bestimmten Zeit am Abend gingen die anst\u00e4ndigen M\u00e4dchen nach Hause, und die anderen betraten die B\u00fchne. Damals faszinierten, verwirrten und verst\u00f6rten mich die Prostituierten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Ich wuchs auf wie ein Heimtier.<br>Ich habe nie irgendwelchen Sport gemacht.<br>Ich kann nicht Radfahren und habe keinen F\u00fchrerschein.<br>Als Kind verbrachte ich die meiste Zeit im Haus.&nbsp;Ich lernte.<br>Rabat bot mir kaum Abwechslung, und meine Schwestern und ich vertrieben uns die Zeit mit Lesen und Filmeschauen. Nicht nur die Nacht war verbotenes Terrain, auch das Drau\u00dfen. M\u00e4dchen hatten nichts zu suchen auf Stra\u00dfen, Pl\u00e4tzen und in den Caf\u00e9s, deren Terrassen, das wei\u00df ich noch, ausschlie\u00dflich von M\u00e4nnern besetzt waren. Ein M\u00e4dchen, das sich in der Stadt bewegte, musste von A nach B unterwegs sein. Sonst war sie ein Flittchen, ein Luder, ein gefallenes M\u00e4dchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;In meiner Jugend begannen die Fluchtfantasien, die Sehnsucht nach ziellosem Herumstromern, nach N\u00e4chten ohne Aufpasser und Stra\u00dfen, in denen ich eine Passantin w\u00e4re, die die anderen anschaut und von ihnen angeschaut wird. Weil sie mir versagt war, ist Bewegung f\u00fcr mich zum Synonym f\u00fcr Freiheit geworden. Unabh\u00e4ngig zu werden hie\u00df fliehen, aus diesem Gef\u00e4ngnis ausbrechen, das mein Zuhause war. Spricht man nicht von der Familie als Keim<em>zelle<\/em>&nbsp;der Gesellschaft? Ich wollte keine \u00bbHausfrau\u00ab werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kontrapunkt<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/02-Berbe\u0300re_-Berceuse-Amazigh.m4a\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\">Berb\u00e8re: Berceuse Amazigh&nbsp;(Traditional)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"perspektive-24\">Perspektive 27<\/h3>\n\n\n\n<p>Le\u00efla Slimani wurde 1981 in Rabat geboren.&nbsp;<br>Le\u00efla Slimani verbachte dort Jugend und Schulzeit als Kind marokkanischer Eltern.&nbsp;<br>Le\u00efla Slimani hatte eine els\u00e4ssische Gro\u00dfmutter.<br>Le\u00efla Slimani ging 1999 zum Studium nach Paris.&nbsp;<br>Le\u00efla Slimani lebt mit ihrer eigenen Familie dort bis heute und schreibt\/publiziert auf Franz\u00f6sisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Rabat ist seit 1956 die Hauptstadt Marokkos mit dem Regierungssitz und der Residenz des K\u00f6nigs.&nbsp;<br>Rabat ist neben F\u00e8s, Mekn\u00e8s und Marrakesch eine der vier K\u00f6nigsst\u00e4dte Marokkos.<br>Rabat hatte 1982 eine halbe Millionen Einwohner.<\/p>\n\n\n\n<p>Marokko ist und war ein K\u00f6nigreich. Seit 1669 herrscht dort die Dynastie der Alawiden.<br>Marokko wurde 1912 im Protektoratsvertrag in Franz\u00f6sisch-Marokko und Spanisch-Marokko im Norden aufgeteilt.&nbsp;<br>Marokko ist seit 1956 wieder unabh\u00e4ngig und gem\u00e4\u00df der Verfassung von 1992 eine konstitutionelle Monarchie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Marokko. K\u00f6nigreich der Vielfalt.<br>Bev\u00f6lkerung:<br>Berber, Araber, Mauren.<br>Franzosen, Spanier, Italiener, Tunesier, Algerier.<br>Religion:<br>Islam (Staatsreligion: 90% Sunniten).&nbsp;<br>Christen, Juden, \u201eGeisterglaube&#8220; (Afrikanische, vorislamische Einfl\u00fcsse).<br>Sprachen:<br>Darija (marokkanisches Arabisch).<br>Berbersparachen (Tamazight, Ghomara, Tarifit, Taschelhit, Tassoussit, Senhaja de Srair, Jud\u00e4o-Berberisch).<br>Franz\u00f6sisch, Spanisch, Englisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Marokko. K\u00f6nigreich im Westsaharakonflikt.&nbsp;<br>1976 entlie\u00df Spanien seine Provinz Spanisch-Sahara (Westsahara) in die Unabh\u00e4ngigkeit.&nbsp;<br>Mauretanien und Marokko teilten das Land eigenm\u00e4chtig unter sich auf.&nbsp;<br>Sofort danach setzten Kampfhandlungen zwischen der marokkanischen Armee&nbsp;<br>und Einheiten der Frente Polisario (Volksbefreiungsbewegung der Westsahara)&nbsp;<br>sowie Truppenteilen Algeriens ein, welche die Polisario unterst\u00fctzten. &nbsp;<br>1979 schloss Mauretanien einen Friedensvertrag mit der Polisario und r\u00e4umte seinen Anteil an der Westsahara.&nbsp;<br>Daraufhin okkupierte Marokko das ganze Territorium.&nbsp;<br>Seither tobt in der Westsahara ein blutiger Krieg, der die Region bis heute stark belastet.<\/p>\n\n\n\n<p>Marokko. K\u00f6nigreich im Arabischen Fr\u00fchling.<br>Anfang 2011 kam es unter dem Eindruck des Arabischen Fr\u00fchlings zu Protesten in mehreren St\u00e4dten.&nbsp;<br>Eine demokratische Verfassung wurde gefordert.&nbsp;<br>Die Staatsspitze reagierte darauf mit einem Verfassungsreferendum.&nbsp;<br>Die mit 98 % Zustimmung angenommene Verfassungs\u00e4nderung schreibt erstmals Marokkanisches Tamazight als Amtssprache neben Arabisch fest.&nbsp;<br>Verschiebt wichtige Kompetenzen vom K\u00f6nig auf den Premierminister und das Parlament.&nbsp;<br>Der K\u00f6nig ist u.a. verpflichtet, den Premierminister aus der Partei zu ernennen, die bei den Wahlen die meisten Parlamentssitze erhalten hat.&nbsp;<br>(Bisher hatte er diesbez\u00fcglich uneingeschr\u00e4nkte Entscheidungsfreiheit.)<\/p>\n\n\n\n<p>Tanger, Casablanca, Agadir, Marrakesch.<br>Atlasgebirge, Sahara, Mittelmeer- und Atlantikk\u00fcsten.<br>Oftmals k\u00fcnstlich generierte Traum-, Film, Devisen- &amp; Touristenwelten im K\u00f6nigreich Marokko.<\/p>\n\n\n\n<p>Le\u00efla Slimani beschreibt in all ihren Publikationen (Interviews, Essays &amp; Romane) Echtzeitwelten.<br>Eine Welt voller Konflikte, Unruhen, Korruption, gesellschaftlichen Umbr\u00fcchen, sozialen Miss- &amp; Notst\u00e4nden. &nbsp;<br>Eine Welt der Geheimnisse, Verhei\u00dfungen, Versprechen, R\u00e4tsel, der Poesie &amp; vielgestaltigen Literaturen.<\/p>\n\n\n\n<p>Le\u00efla Slimani berichtet \u00fcber untergehende, gerettete und neu entstehende Lebenswelten.&nbsp;<br>Lebenswelten an den kulturellen Schnitt-, Bruch- und Feuerstellen von Orient und Okzident.&nbsp;<br>Lebenswelten mit brisanten theologischen, konfessionellen und ideologischen Brennk\u00f6pfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Le\u00efla Slimani analysiert historische wie aktuelle Wahrnehmungswelten inner- &amp; ausserhalb der Maghrebl\u00e4nder.<br>Die Wahrnehmungswelten der ver- &amp; unverheirateten Frauen. Der alleinerziehenden wie unversorgten M\u00fctter.&nbsp;<br>Die Wahrnehmungswelten von selbst-, geld-, held- &amp; fremdbestimmten Hosen-, Kleid-, Zeit- &amp; LeidgenossInnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Le\u00efla Slimani beschreibt, berichtet, analysiert in ihrem letzten Buch die Erlebnisse einer Nacht.<br>Einer Nacht allein: ver-, ab- &amp; eingeschlossen in einem Museum f\u00fcr Moderne Kunst in Venedig.<br>Einer Nacht inmitten der Ausstellung \u00bbLuogo e Segni\u00ab (\u00bbOrte und Zeichen\u00ab) in der Punta della Dogana.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Le\u00efla Slimani erkennt, benennt, definiert, offenbart, bekennt die Orte &amp; Zeichen ihrer Lebens- &amp; Wahrnehmungswelten.<br>Le\u00efla Slimani wurde 1981 im marokkanischen Rabat geboren.&nbsp;<br>Le\u00efla Slimani verbachte dort Jugend und Schulzeit als Kind marokkanischer Eltern.&nbsp;<br>Le\u00efla Slimani hatte eine els\u00e4ssische Gro\u00dfmutter.<br>Le\u00efla Slimani hatte einen Vater: Othman Slimani, marokkanischer \u00d6konom und Banker. Marokkanischer Wirtschaftsminister.<br>(2002 wurde Othman Slimani wegen Veruntreuung \u00f6ffentlicher Gelder angeklagt und war viele Monate inhaftiert.&nbsp;<br>2010 wurde er posthum von allen Anklagepunkten freigesprochen und erhielt eine offizielle Entschuldigung des marokkanischen Staates.)<\/p>\n\n\n\n<p>Le\u00efla Slimani erhielt 2016 den Prix Goncourt. Die begehrteste franz\u00f6sische Literaturauszeichnung.<br>Le\u00efla Slimani ver\u00f6ffentlichte unbedingt, absolut, unverzichtbar, glasklar, entwaffnend Lesenswertes:<br>\u00bbSex und L\u00fcgen\u00ab \/ \u00bbWarum soviel Hass\u00ab \/ \u00bbDas Land der Anderen\u00ab \/ \u00bbDann schlaf auch du\u00ab \/ \u00bbAll das zu verlieren\u00ab.<br>Le\u00efla Slimani erhielt 2016 &nbsp;die begehrteste franz\u00f6sische Literaturauszeichnung: den Prix Goncourt. Vollkommen zu Recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte es im K\u00f6nigreich Marokko eine vergleichbare Wertsch\u00e4tzung freigeistiger LiteratInnen geben: bitte, dann nicht z\u00f6gern:<br>Le\u00efla Slimani ver\u00f6ffentlicht unbedingt, absolut, unverzichtbar, glasklar, entwaffnend, ber\u00fchrend, engagiert Lesenswertes.<br>Le\u00efla Slimani publie des ouvrages absolument, absolument, indispensables, limpides, d\u00e9sarmants, touchants, engag\u00e9s, dignes d&#8217;\u00eatre lus.<br>Le\u00efla Slimani pubblica incondizionatamente, assolutamente, indispensabilmente, una lettura cristallina, disarmante, toccante, impegnata.<br>Le\u00efla Slimani publica una lectura incondicional, absoluta, indispensable, cristalina, desarmante, conmovedora, comprometida.<br>Le\u00efla Slimani publishes unconditional, absolute, indispensable, crystal-clear, disarming, touching, engaging reading.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u062a\u0646\u0634\u0631 \u0644\u064a\u0644\u0649 \u0633\u0644\u064a\u0645\u0627\u0646\u064a \u0628\u0634\u0643\u0644 \u0645\u0637\u0644\u0642 \u060c \u0645\u0637\u0644\u0642 \u060c \u0644\u0627 \u063a\u0646\u0649 \u0639\u0646\u0647 \u060c \u0648\u0627\u0636\u062d \u0648\u0636\u0648\u062d \u0627\u0644\u0634\u0645\u0633 \u060c \u0646\u0632\u0639 \u0633\u0644\u0627\u062d \u060c \u0645\u0624\u062b\u0631 \u060c \u0645\u0644\u062a\u0632\u0645 \u0628\u0627\u0644\u0642\u0631\u0627\u0621\u0629.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Renald Deppe)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":3307,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-3303","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ab-und-zu-stand","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-25","no-featured-image-padding","resize-featured-image"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3303"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3303\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5377,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3303\/revisions\/5377"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3307"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}