{"id":3002,"date":"2022-05-08T10:00:00","date_gmt":"2022-05-08T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.raetia.net\/?p=3002"},"modified":"2024-06-11T15:16:46","modified_gmt":"2024-06-11T13:16:46","slug":"verortung-perspektive-_19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/verortung-perspektive-_19\/","title":{"rendered":"Verortung &#038; Perspektive _19"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-columns alignwide is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"205\" height=\"245\" src=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/Bruno-Schulz-II.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3015\" srcset=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/Bruno-Schulz-II.jpg 205w, https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/Bruno-Schulz-II-10x12.jpg 10w\" sizes=\"auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h6 class=\"wp-block-heading\" id=\"schiessstand-8-mai-2022\">Schie\u00dfstand 8. Mai 2022<\/h6>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"marcel-proust-1871-1922\"><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong>Bruno Schulz<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><br>(1892 &#8211; 1942)<\/h2>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#ff0303\" class=\"has-inline-color\"><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong>Die Zimtl\u00e4den<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/mark><\/strong><br>Aus dem Polnischen von Doreen Daume<br><em>Carl Hanser Verlag, M\u00fcnchen 2008<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Polnische Originalausgabe:<br>Sklepy cynamonowe&nbsp;<br><em>R\u00f3j, Warschau 1934<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Adela kehrte in den strahlenden Morgenstunden wie Pomona aus dem Feuer eines lodernden Tages zur\u00fcck<br>und sch\u00fcttete die bunte Sch\u00f6nheit der Sonne aus ihrem Korb &#8211;<br>funkelnde Kirschen, wasserprall unter durchscheinender Haut,<br>geheimnisvolle schwarze Schattenmorellen, deren Duft noch \u00fcbertraf, was in ihrem Geschmack verwirklicht war,<br>Aprikosen, deren goldenes Fleisch die Essenz langer Nachmittage enthielt;<br>und neben diese reine Poesie der Fr\u00fcchte lud sie vor Kraft und N\u00e4hrwert strotzende Fleischst\u00fccke&nbsp;<br>mit der Klaviatur von K\u00e4lberrippen, Wassergew\u00e4chse, fast wie erschlagene Kopff\u00fc\u00dfler und Medusen &#8211;<br>das Rohmaterial einer Mahlzeit von noch ungeformtem Geschmack und Gehalt,<br>die vegetativen und tellurischen Ingredienzen einer Mahlzeit von wildem Feldgeruch.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeden Tag durchwanderte der gro\u00dfe Sommer die dunkle Wohnung im ersten Stock des Hauses am Marktplatz:<br>die Stille flimmernder Luftschichten, die leuchtenden Quadrate, die<br>auf dem Fu\u00dfboden inbr\u00fcnstig ihren Traum tr\u00e4umten,<br>die Melodie eines Leierkasten, aus der tiefsten goldenen Ader des Tages hervorgelockt,<br>zwei, drei Takte eines Refrains, die irgendwo, immer wieder, auf einem Klavier gespielt wurden,<br>ohnm\u00e4chtig auf den wei\u00dfen Trottoirs zusammenbrachen und sich im Feuer der Tagesmitte verloren.<br>Adela zog nach dem Saubermachen die leinenen Vorh\u00e4nge zu und lie\u00df Schatten in die Zimmer.<br>Dann sanken die Farben um eine Oktave,&nbsp;<br>das Zimmer f\u00fcllte sich mit Schatten, als w\u00e4re es in das Licht der Meerestiefe versunken,<br>und die ganze Hitze des Tages atmete auf die Vorh\u00e4nge, die sich von den Tr\u00e4umen der Mittagsstunde leise bauschten.<\/p>\n\n\n\n<p>Samstag nachmittags ging ich mit meiner Mutter spazieren.<br>Man trat aus dem D\u00e4mmer des Flures pl\u00f6tzlich in das Sonnenbad des Tages.<br>so da\u00df die hochgezogenen Oberlippen Z\u00e4hne und Zahnfleisch entbl\u00f6\u00dften.<br>Und alle trugen sie beim Waten im goldenen Tag diese Hitzegrimasse,&nbsp;<br>als h\u00e4tte die Sonne all ihren Anbetern ein und dieselbe Maske aufgesetzt &#8211; die goldene Maske der Sonnenbruderschaft;<br>und alle, die heute durch die Stra\u00dfen spazierten, einander begegneten, aneinander vorbeigingen,&nbsp;<br>Alte und Junge, Kinder und Frauen, gr\u00fc\u00dften sich im Vor\u00fcbergehen mit der dick aufgetragen, goldfarbenen Maske im Gesicht<br>und schnitten einander diese bacchantische Grimasse &#8211; die barbarische Maske eines heidnischen Kults.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Marktplatz war leer und gelbgl\u00fchend, hei\u00dfe Winde hatten ihn vom Staub reingefegt wie eine biblische Ein\u00f6de.<br>Die dornigen Akazien, die aus der Leere des gelben Platzes wuchsen, flirrten dar\u00fcber mit hellem Laub,<br>mit B\u00fcscheln feingegliederten, gr\u00fcnen Filigrans, wie B\u00e4ume auf alten Gobelins.<br>Es schien, als spreizten sich die B\u00e4ume affektiert vor dem Wind, sie w\u00fchlten ihre Kronen theatralisch auf,<br>um in pathetischen Verrenkungen die Vornehmheit der Blattf\u00e4cher mit ihren silbrigen B\u00e4uchen wie die Pelze edler F\u00fcchsinnen zu zeigen.<br>Die alten, vom Wind vieler Tage polierten H\u00e4user hatten sich im Widerschein der gro\u00dfen Atmosph\u00e4re verf\u00e4rbt,<br>in den Echos und Erinnerungen der Farben, die in der Tiefe des bunten Wetters zerstreut waren.<br>Es war, als h\u00e4tten ganze Generationen von Sommertagen&nbsp;<br>(wie geduldige Stukkateure den Schimmel vom Putz alter Fassaden)<br>eine tr\u00fcgerische Glasur abgeklopft und dabei Tag f\u00fcr Tag das wahre Antlitz der H\u00e4user deutlicher herausgemei\u00dfelt,<br>die Physiognomie der Schicksale und des Lebens, die sie von innen geformt hatten.<br>Jetzt schliefen die Fenster, vom Schein des leeren Platzes geblendet, die Balkone gestanden dem Himmel ihre Leere,<br>aus offenen Hausfluren roch es nach K\u00fchle und Wein.<\/p>\n\n\n\n<p>Kontrapunkt<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/2-06-Sonata-for-Violin-Solo-No.-3-in-C-BWV-1005_-I.-Adagio.m4a\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\">Johann Sebastian Bach (1785 &#8211; 1750) :&nbsp;Sonata for Violin Solo No. 3 in C, BWV 1005: I. Adagio<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"perspektive-19\">Perspektive 19<\/h3>\n\n\n\n<p>Wer seine Geschichte nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen.<br>Wer die Geschichte nicht benennt, ist versucht, sie zu wiederholen.<br>Wer Geschichte nicht erinnert, wird verf\u00fchrt, sie zu wiederholen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Institut zur Verbesserung der Lage erinnert an das Jahrhundert der W\u00f6lfe.<br>An Bruno Schulz.<\/p>\n\n\n\n<p>Bruno Schulz wurde 1942 in seiner Heimatstadt Drohobycz auf offener Stra\u00dfe erschossen.<br>Bruno Schulz wurde von einem deutschen SS-Mann ermordet. Das Grab ist unbekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die SS verbrannte B\u00fccher. Und Menschen. Und Erde.<br>Bruno Schulz schrieb B\u00fccher. F\u00fcr Menschen. Auf dieser Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Institut zur Verbesserung der Lage erinnert.<br>Gestattet sich zu wiederholen.<br>Erlaubt sich zu benennen:<\/p>\n\n\n\n<p>Bruno Schulz kam als 3. Kind j\u00fcdischer Eltern 1892 in&nbsp;Drohobycz zur Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Drohobytsch. (ukrainisch: \u0414\u0440\u043e\u0433\u043e\u0431\u0438\u0447\u2022russisch: \u0414\u0440\u043e\u0433\u043e\u0431\u044b\u0447\u2022polnisch: Drohobycz\u2022jiddisch: \u05d3\u05e8\u05d0\u05b8\u05d1\u05d9\u05d8\u05e9)<br>Drohobytsch. Siedlungsgr\u00fcndung im sp\u00e4ten 11. Jahrhundert. Ein erster Kreuzzug eroberte Jerusalem.<br>Drohobytsch. Stadt im K\u00f6nigreich Polen. Verwaltungseinheit der Adelsrepublik Polen-Litauen. Bis 1772.<br>Drohobytsch. Stadt der Habsburger. Im \u00f6sterreichischen Kronland Galizien und Lodomerien. Bis 1918.<br>Drohobytsch. Deutsch war offizielle&nbsp;Amtssprache. War erste Fremdsprache an den Schulen. Wien ein Traum.<br>Drohobytsch. \u00d6l wurde gefunden. Die Stadt&nbsp;\u201eboomte\u201c. Die Armut auch. Eine&nbsp;\u201eGalizische H\u00f6lle\u201c entstand.<br>Drohobytsch. Frontstadt. Schulzens Elternhaus samt Wohnung &amp; Gesch\u00e4ft wurde von russischen&nbsp;Milit\u00e4rs&nbsp;in Brand gesteckt.<br>Drohobytsch. Albtraum. Im verheerenden ersten Krieg der Welten. Danach eine Stadt in Polens Zweiter Republik.<br>Drohobytsch. 35 000 Einwohner. 35% Polen. 20% Ukrainer. \u00dcber 40% geh\u00f6rten zur j\u00fcdischen Gemeinde.<br>Drohobytsch. Stadt mit der gr\u00f6\u00dften Synagoge Polens. Stadt der Chassidim. Das Jerusalem Galiziens.<br>Drohobytsch. Die Rote Armee besetzte die Stadt. 1939 Teilung Polens. Ein deutsch-sowjetisches Geheimabkommen.<br>Drohobytsch.&nbsp;Galizien wurde Sowjetische Verwaltungseinheit.&nbsp;Pogrome. Not. Gewalt. Willk\u00fcr. Hunger. Und Lieder.<br>Drohobytsch. Frontstadt.&nbsp;Im verheerenden zweiten Krieg der Welten. Ab 1941 von der Deutschen Wehrmacht besetzt.<br>Drohobytsch. Ermordung, Vernichtung, Deportation der j\u00fcdischen Gemeinde. T\u00f6dliche Zwangsarbeit in der \u00d6lindustrie.<br>Drohobytsch.&nbsp;Mit Unterst\u00fctzung der&nbsp;ukrainischen&nbsp;Hilfspolizei und Wehrmachtsduldung mordete die SS. Endl\u00f6sungsgetreu.<br>Drohobytsch. Von 15 000 j\u00fcdischen Mitb\u00fcrgern \u00fcberlebten bis 1944 gerade 400 Seelen. Zuf\u00e4llig.Meistens. Hilfe. Selten.<br>Drohobytsch. Eine Welt ohne Erbarmen. Eine Welt zum Erbarmen. 1944 Befreiung &amp; Besetzung durch die Rote Armee.<br>Drohobytsch. Die Stadt wurde der der Sowjetunion zugeteilt. Ukrainische SSR. Polnische Bev\u00f6lkerung wurde vertrieben.<br>Drohobytsch. Der Terror Stalins w\u00fctete. 1991 Eingliederung der 76 300 Einwohner in die Ukraine. Vorl\u00e4ufig?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gegenwart feiert Superm\u00e4rkte. Nicht nur in&nbsp;Drohobytsch.<br>L\u00e4den gibt es kaum noch.&nbsp;Nicht nur in&nbsp;Drohobytsch.<br>Zimtl\u00e4den verschwanden. \u00dcberall.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den Zimtl\u00e4den ging wertvolles Kulturgut f\u00fcr immer verloren.&nbsp;Nicht nur f\u00fcr Osteuropa.<br>Mit den Zimtl\u00e4den verbrannte das j\u00fcdische Schtetl.&nbsp;Nicht nur in&nbsp;Drohobytsch.<br>Mit den Zimtl\u00e4den von Bruno Schulz kann man ohne Zimtl\u00e4den \u00fcberleben.<br>Hoffnungsfroher. Wutbefreiter. Zimtl\u00e4denbefl\u00fcgelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt die Trauer.<br>Es bleibt die Erinnerung.<br>Es bleibt die Verantwortung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer seine Geschichte nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen.<br>Wer die Geschichte nicht benennt, ist versucht, sie zu wiederholen.<br>Wer Geschichte nicht erinnert, wird verf\u00fchrt, sie zu wiederholen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleiben die Zimtl\u00e4den von Bruno Schulz.&nbsp;<br>Weil benannt. Weil aufgeschrieben. Weil nachzulesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum? Weshalb? Wozu?&nbsp;<br>Bruno Schulz gibt zimtfarbenweise Auskunft:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Das Wesen der Wirklichkeit ist der S i n n.<br>Was keinen S i n n hat, ist f\u00fcr uns nicht wirklich.<br>Jedes St\u00fcck Wirklichkeit lebt dadurch, da\u00df es an einem universalen S i n n teilhat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Am Anfang war das Wort.<br>Was unbenannt ist, existiert f\u00fcr uns nicht.<br>Etwas zu benennen bedeutet, es in einen universalen S i n n einzubeziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Das Leben des Wortes besteht darin, da\u00df es sich nach tausend Verbindungen dehnt und streckt,<br>wie der zerst\u00fcckelte Leib der Schlange in der Legende, deren Einzelteile einander in der Dunkelheit suchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Das isolierte Wort, das Wort als Mosaikstein, ist ein sp\u00e4teres Produkt, es ist bereits ein Resultat der Technik.<br>Das urspr\u00fcngliche Wort war ein Phantasiegebilde, das den S i n n der Welt umkreiste,<br>es war ein gro\u00dfes universales Ganzes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Das Leben des Wortes, seine Entwicklung, wurde auf neue Gleise,&nbsp;<br>auf die Gleise der Lebenspraxis gelenkt und neuen Vorschriften unterworfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Doch wenn die Gebote der Praxis auf die eine oder andere Weise ihre Z\u00fcgeln lockern,<br>wenn das Wort, von diesem Zwang befreit, sich selbst \u00fcberlassen ist&nbsp;und wieder den eigenen Gesetzen zur\u00fcckgegeben wird,<br>dann regrediert es, str\u00f6mt zur\u00fcck, strebt nach fr\u00fcheren Verbindungen, m\u00f6chte wieder vollst\u00e4ndig S i n n werden &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;&#8211; und diesen Drang des Wortes zur\u00fcck zum Ursprungsort, seine zur\u00fcckgewandte Sehnsucht,<br>die Sehnsucht nach der Urheimat des Wortes nennen wir Poesie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Die urspr\u00fcnglichste Funktion des Geistes ist das Fabulieren, das Erfinden von \u00bbGeschichten\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Der Motor menschlicher Wissenschaft ist die \u00dcberzeugung,&nbsp;<br>da\u00df der absolute Sinn der Welt am Ende aller Forschungen gefunden wird.<br>Sie sucht ihn auf dem Gipfel ihrer k\u00fcnstlichen Stapel und Ger\u00fcste.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Doch die Elemente, die sie zum Bau verwendet, sind schon einmal gebraucht worden,<br>sie stammen aus vergessenen und&nbsp;zertr\u00fcmmerten&nbsp;\u00bbGeschichten\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Die Poesie erkennt diesen verlorenen Sinn wieder,&nbsp;sie gibt den Worten ihren Ort zur\u00fcck<br>und f\u00fcgt sie gem\u00e4\u00df ihrer fr\u00fcheren Bedeutung wieder zusammen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2022<\/strong>&nbsp;Wir halten das Wort \u00fcblicherweise f\u00fcr den Schatten der Wirklichkeit, f\u00fcr ihr Abbild.<br>Richtiger w\u00e4re die umgekehrte Behauptung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wundersamen Zimtl\u00e4den von Bruno Schulz wurden neu \u00fcbersetzt.<br>Von Doreen Daume. Einf\u00fchlsam, liebevoll feinh\u00f6rig &amp; zartf\u00fchlend sprachgewaltig.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihren Anmerkungen zur \u00dcbertragung aus dem Polnischen schreibt Doreen Daume:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSchulz empfand sehr stark die Parallelen zwischen Sprache und Musik&nbsp;<br>und spielte virtuos mit musikalischen Elementen.&nbsp;In einem Moment der tiefsten Depression,&nbsp;<br>der Selbstzweifel und der Schaffenskrise schrieb er 1936 an seine Freundin Romana Halpern:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch m\u00f6chte m\u00fc\u00dfig gehen, nichts tun, mich treiben lassen, mich ein wenig an der Landschaft freuen,<br>an einer&nbsp;Himmelskuppel, deren Vorabendwolken sich ins Jenseits auftun.<br>Vielleicht k\u00e4me dann wieder eine Melodie zu mir,&nbsp;<br>vielleicht &nbsp;str\u00f6mte mir dann eine Welle der Prosa zu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann Musik als Sprache verstehen und Sprache als Musik h\u00f6ren,<br>und man kann auch die instrumentale Ausf\u00fchrung eines Musikst\u00fccks<br>und das \u00dcbersetzen eines poetischen Textes in vielerlei Hinsicht miteinander vergleichen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das Institut zur Verbesserung der Lage erinnert an ein Jahrhundert der W\u00f6lfe.<br>Benennt dessen Kl\u00e4nge &amp; Strenge, Sprache &amp; Rache, Klagen &amp; Fragen.&nbsp;<br>Verortet Leises &amp; Weises, Lautes &amp; Vertrautes, Bilder &amp; Schilder, &nbsp;Zeichen &amp; Weichen. &nbsp;<br>Hoffnungen, Tr\u00e4ume, Trauer, Verluste, Widerst\u00e4nde,&nbsp;Hin-, Ab-, An-, Aus-, Ein-, Zu- &amp; Aufgaben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Institut zur Verbesserung der Lage erinnert an ein Jahrhundert der W\u00f6lfe.&nbsp;<br>An Bruno Schulz.<\/p>\n\n\n\n<p>(Renald Deppe)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":3016,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-3002","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ab-und-zu-stand","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-25","no-featured-image-padding","resize-featured-image"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3002","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3002"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3002\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5029,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3002\/revisions\/5029"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3016"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3002"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3002"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3002"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}