{"id":2974,"date":"2022-04-24T10:00:00","date_gmt":"2022-04-24T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.raetia.net\/?p=2974"},"modified":"2024-06-11T15:17:41","modified_gmt":"2024-06-11T13:17:41","slug":"verortung-perspektive-_17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/verortung-perspektive-_17\/","title":{"rendered":"Verortung &#038; Perspektive _17"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-columns alignwide is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"328\" height=\"154\" src=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/Agnes-Heller-II.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2983\" srcset=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/Agnes-Heller-II.jpg 328w, https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/Agnes-Heller-II-18x8.jpg 18w\" sizes=\"auto, (max-width: 328px) 100vw, 328px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h6 class=\"wp-block-heading\" id=\"spielstand-24-april-2022\">Spielstand 24. April 2022<\/h6>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"marcel-proust-1871-1922\"><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong>\u00c1gnes Heller<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><br>(1929 &#8211; 2019)<\/h2>\n\n\n\n<p><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#ff0303\" class=\"has-inline-color\"><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong><strong>Der D\u00e4mon der Liebe<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/mark><\/strong><br>Die gro\u00dfe Philosophin im Gespr\u00e4ch<br>mit Francesco Comina und Genny Losurdo.<br><em>Edition Konturen, Wien 2021<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Originaltitel:<br>Francesco Comina e Genny Losurdo con \u00c1gnes Heller,<br>Il demone dell\u2019amore.<br>La grande filosofa al cospetto di un sentimento che infiamma.<br><em>Il Segno dei Gabrielli editori, San Pietro in Cariano (Verona) 2019<\/em><br>\u00dcbersetzt von Georg Hauptfeld<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Philosoph, jede Philosophin, also auch ich, kommt nicht umhin, \u00fcber verschieden Themen, Fragestellungen und Gebiete nachzudenken und sich Fragen zu stellen, \u00fcber die er nie ein Buch schreiben wird. Da die Zeit begrenzt ist, muss jeder sparsam damit umgehen&nbsp;und daher den eigenen dringendsten Bed\u00fcrfnissen den Vorrang geben. Manchmal jedoch bieten die Fragen anderer oder der Wunsch, ein bestimmtes Thema anzusprechen, eine goldene Gelegenheit, um Ph\u00e4nomene zu besprechen, die sonst \u00fcbergangen w\u00fcrden, die aber deshalb nicht weniger bedeutsam sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Liebe ist vielleicht eines der komplexesten Ph\u00e4nomene, weil sie verschiedene Arten von Gef\u00fchlen, Urteilen, Handlungen und Interpretationen umfasst, die nicht alle katalogisiert werden k\u00f6nnen.<br>Wenn mich jemand fragen w\u00fcrde \u201eWas ist Liebe?\u201c, k\u00f6nnte ich nicht antworten. Oder, genauer gesagt, k\u00f6nnte ich Liebe so definieren:<br>\u201eEs ist kein bestimmtes Gef\u00fchl, sondern eine Verbindung von Gef\u00fchlen gegen\u00fcber etwas oder jemandem,&nbsp;die uns je nach Umst\u00e4nden und Lage der Dinge Vergn\u00fcgen, Freude, Gl\u00fcck, Wonne, Missvergn\u00fcgen, Kummer, Zorn, Abneigung, Schmerz oder Verzweiflung bereitet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Diese \u201eDefinition\u201c schlie\u00dft bereits F\u00e4lle von Liebe ein, die ansonsten v\u00f6llig verschieden und einzigartig sind. Oft werden sie klassifiziert als: v\u00e4terliche Liebe, br\u00fcderliche Liebe, sexuelle Liebe, Liebe zu einer Idee, einer Gemeinschaft, Liebe zum B\u00f6sen, Liebe zum Guten, Liebe zu Gott oder anderes mehr, aber wir haben immer noch keine Antwort auf die Frage: \u201eWas ist Liebe?\u201c Doch genau dies sollte ich in den Gespr\u00e4chen beantworten und ich habe versucht,&nbsp;aus all meinen Quellen zu sch\u00f6pfen: aus Kunst, Literatur, Religion, Philosophie. Man kann sie nicht alle aufz\u00e4hlen, denn die Liebe ist \u00fcberall.<\/p>\n\n\n\n<p>Also lade ich die Leserinnen und Leser ein,&nbsp;sich mit mir, Francesco und Genny auf dieses Abenteuer einzulassen, um Antworten zu finden, was Liebe ist. Dies ist nicht nur ein Buch zum Lesen: Alle Leser und Leserinnen bringen nicht nur ihre eigenen Erfahrungen mit, sondern auch die eigenen Vorstellungen von der Liebe, und sie werden sich bei der Lekt\u00fcre manchmal einbezogen f\u00fchlen, zufrieden oder entt\u00e4uscht sein, Ja oder Nein sagen zu k\u00f6nnen. Sie werden an unserem Dialog teilnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Kontrapunkt<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.raetia.net\/wp-content\/uploads\/14-5.-Lontano-calmo-appena-sentito.m4a\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gy\u00f6rgy Kurt\u00e1g (*1926) : 12 Mikroludien, V. Lontano, calmo, appena sentito<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"perspektive-17\">Perspektive 17<\/h3>\n\n\n\n<p>\u00c1gnes Heller wurde in finsteren Zeiten geboren. In Budapest. In Ungarn<br>Ungarn. Welches sich ab 1933 dem nationalsozialistischen Deutschland zu n\u00e4hern bem\u00fchte.<br>Ungarn. In welchem aus- &amp; eingrenzende Pfeilkreuzler einen finster gestimmten Ton angaben. Zum Beispiel.<br>Ungarn. Welches ab 1941 als faschistische Achsenmacht in einen Krieg der Welten eintrat. Mit Absichten.<br>Ungarn. Welches ab 1944 von den deutschen Nazis quasi okkupiert wurde. Terror \u00fcberall. Ohne R\u00fccksichten.<br>Die &nbsp;Verfolgung der Juden wurde intensiviert. Durch die SS. Mit Hilfe ungarischer Pfeilkreuzler. Zum Beispiel.<br>Ungarische Pfeilkreuzler errichteten eine nazigest\u00fctzte Diktatur. Auch Gro\u00dfungarn glaubte an Endl\u00f6sungen.<br>Ungarischer Antisemitismus forderte und zeitigte Verbote. Verrohung. Verlust. Vertreibung. Vernichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c1gnes Heller (\u00fcber)lebte die finsteren Zeiten. Trotz j\u00fcdischer Her- &amp; Abkunft. Gemeinsam mit ihrer Mutter. In Ungarn.<br>Ihr Vater und viele Familienangeh\u00f6rige nicht.&nbsp;<br>\u00dcber 550 000 j\u00fcdische Mitb\u00fcrger ebenfalls nicht.<br>\u00c1gnes Heller&nbsp;immatrikulierte sich 1947 an der Universit\u00e4t Budapest. F\u00fcr Physik &amp; Chemie. Sp\u00e4ter dann Studium der Philosophie.<br>Ihre Gro\u00dfmutter war die erste Frau, welche an der Universit\u00e4t Wien studieren durfte. Um 1900. Nicht zu vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c1. H. studierte in einem streng stalinistisch regierten Ungarn. Ab 1953 erregte sich Widerst\u00e4ndiges. Revolution\u00e4res.<br>\u00c1. H. beteiligte sich 1956 am Aufstand gegen die kommunistischen Fu\u00df- &amp; Kopffesseln. Vergeblich.<br>\u00c1. H. blieb in Ungarn. Trotz Unterdr\u00fcckung. Trotz Denk-, Lenk- &amp; Atemnot. Heimat bist du gro\u00dfer T\u00f6chter.<br>\u00c1. H. emigrierte 1977 nach Australien. Als Professorin f\u00fcr Soziologie. Eine neue Heimat. Vielleicht.<br>\u00c1. H. wurde dann 1986 als Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl f\u00fcr Philosophie berufen. In New York.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c1. H. hatte Heim- &amp; Fernweh. Pendelte nach ihrer Emeritierung zwischen ihren alten &amp; neuen Welten.<br>\u00c1. H. kritisierte Entwicklung &amp; Positionierung Ungarns unter Orb\u00e1n &amp; Fidesz. Mutig &amp; klug.<br>\u00c1. H. 2013 in der ZEIT: \u201eOrb\u00e1n ist ein Diktator, aber Ungarn ist keine Diktatur\u201c. Noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c1gnes Heller verstarb 2019 im Plattensee. Beim Schwimmen. Mit 90 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c1. H. konnte &amp; wusste \u00fcber vieles zu berichten.<br>\u00dcber Grenzen. \u00dcber das eigene Talent. Zum Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJede pers\u00f6nliche F\u00e4higkeit hat ihre Grenzen, ob man nun Gewichte stemmt, schreibt oder philosophiert.<br>Man braucht Zeit, um diese Grenze zu erreichen, wenn man das \u00fcberhaupt schafft.<br>Man muss daf\u00fcr und daran arbeiten; man muss die Leiter zu sich selbst heraufsteigen.<br>An einem Punkt erreicht man dann die h\u00f6chste Sprosse der eigenen Leiter.<br>Man kann sich weiterhin Kenntnisse aneignen, belesener, ja sogar kl\u00fcger oder weiser werden,<br>aber das eigene Talent kann man nicht \u00fcberschreiten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c1. H. konnte &amp; wusste \u00fcber vieles zu berichten.<br>\u00dcber das Lesen. \u00dcber das Erinnern. \u00dcber gelesene B\u00fccher. Zum Beispiel.<br>\u00bbZwischen achtzehn und sechsundzwanzig \u00e4hnelt unser Geist einer leeren Wachstafel,<br>auf der jedes gelesene Buch Spuren hinterl\u00e4sst, die w\u00e4hren unseres gesamten Lebens nicht mehr verlorengehen.<br>Das ist bestimmt kein ungetr\u00fcbter Segen.<br>Wir werden ein Buch immer so in Erinnerung halten, wie wir es beim ersten Lesen verstanden haben.<br>doch sollten wir lernen, dasselbe Buch mit neuen Augen zu lesen, mit einem offenen Geist,<br>und das ist keine allzu leichte Aufgabe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c1. H. konnte &amp; wusste \u00fcber vieles zu berichten.&nbsp;<br>\u00dcber die N\u00e4chstenliebe. \u00dcber Freunde &amp; Feinde. Zum Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJesus lebte in \u00dcbereinstimmung mit der Tora, ja, er hob sie hervor und st\u00e4rkte sie\u2026<br>Die Lehren Jesus richten sich an das Individuum, das die Pflicht hat, sich dem Leben zu \u00f6ffnen,<br>indem es alle Unreinheiten aufl\u00f6st, die die Liebe daran hindern, Widerspr\u00fcche zu \u00fcberwinden,<br>einschlie\u00dflich des Freund-Feind-Gegensatzes.<br>Jesus k\u00e4mpfte mit dem Establishment der Zeit, mit den Beamten des Tempels, der Priesterkaste,<br>den Kaufleuten, den M\u00e4chtigen, dem Imperium,&nbsp;<br>und er wurde zu einem&nbsp;Bezugspunkt f\u00fcr&nbsp;verzweifelte Menschen:&nbsp;Kranke, Arme, Unterdr\u00fcckte, S\u00fcnder\u2026\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten&nbsp;\u00c1gnes Heller aufmerksam zuh\u00f6ren.<br>Weil wir Gegenwart verantworten sollen. M\u00fcssen&#8230;<br>Damit wir Zukunft erleben, gestalten und ertragen k\u00f6nnen. D\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>(Renald Deppe)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":2984,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-2974","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ab-und-zu-stand","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-25","no-featured-image-padding"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2974"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2974\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5031,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2974\/revisions\/5031"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.raetia.net\/it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}