Bilder von Klängen – Vom Lesen der Klänge:

Prolog:

Bilder nach Klängen.
Klänge nach Bildern.
Zeichen als Klänge.
Klänge als Zeichen.
Zeichen zum Lesen.
Klänge zum Zeichen.
Lesen und Hören.
Hören und Lesen.

Zeichen lesen.
Bilder hören.
Klänge zeichnen.

52 Klänge. Zum Lesen.
52 Bilder. Zum Hören.
52 Verortungen. Zum Hören.
52 Perspektiven. Zum Lesen.
52 Spuren. Zur Verbesserung der Lage.

(Renald Deppe)


Pablo Picasso (1881 – 1973) : Guernica

Cristóbal Halfter  (*1930) : Cancion callada

Earle Brown (1926 – 2002) : Folio, Dezember 1952 (Partitur)
Earle Brown (1926 – 2002) : Folio, Dezember 1952

Otto Dix (1891 – 1969) : Großstadt (Triptichon)
Kid Ory (1886 – 1973) & his Creole Jazz Band : St. James Infirmary

Lovis Corinth (1858 – 1925) : Das große Martyrium
Antonio Lotti (1667 – 1740) : Crucifixus

Albrecht Dürer (1471 – 1528) : Die vier apokalyptischen Reiter
Metallica : The Four Horseman (1983)

Wiktor Hartmann (1834 – 1873) : Die Katakomben von Paris
Modest Mussorgski (1839 – 1881) : Bilder einer Ausstellung, VIII Die Katakomben (Instrumentation: Maurice Ravel)

Josef Matthias Hauer (1883 – 1953) : Übereinstimmung des zwölfteiligen Farbenkreises mit den Intervallen der zwölfstufigen Temperatur.
Josef Matthias Hauer (1883 – 1953) : Nachklangstudien Op. 16

Georgio Morandi (1890 – 1964) : Stillleben
Salvatore Sciarrino (*1974) : Vento d’Ombra

Raoul Hausmann (1886 – 1971) : Kunstkopf
Raoul Hausmann (1886 – 1971) : Poèmes phonétiques

Raumplastik von Josef Beuys
Matthias Pintscher, dernier espace avec introspecteur – Betrachtung einer Raumplastik von Joseph Beuys (1994)

Fujita (1921 – 2010) : Plattencover (Charles Mingus : Ah Um, 1971)
Charles Mingus (1922 – 1979) : Self Portrait In Three Colors (Ah Um, 1971)

David Teniers der Jüngere (1610 – 1690)
Gioachino Rossini (1792 – 1868) : Duetto buffo di due gatti

Gerhard Richter (*1932) : Cage 1-6

 Denn bei aller technischen Erfahrung kann ich nicht genau voraussehen, was da entsteht,
wenn ich mit so einem großen Spachtel auftrage oder wegnehme.

Da entstehen Überraschungen, enttäuschende und erfreuliche, auf jeden Fall Veränderungen und Bilder,
die ich erstmal mit meinem Verständnis einholen muss, bevor ich weitergehen kann.

Bei Cage ist es ja sehr beispielhaft zu sehen oder zu hören, 
wie aufwendig und klug und empfindsam der Zufall bearbeitet wird, damit dann Musik daraus wird.

(Hans

Ulrich Obrist : Interviews mit Gerhard Richter, Kampa Verlag, Zürich 2022)

John Cage (1912 – 1992) : Music for Piano 79

Arnold Böcklin (1827-1901) : Die Toteninsel (1883)
Max Reger (1873-1916) : 4 Tondichtungen nach Arnold Böcklin op. 128, III. Die Toteninsel (1913)

Mark Rothko (1903-1971) : Rothko Chapel (Einweihung: 1971)
Morton Feldman (1926-1987) : Rothko Chapel (1971)

Amadeo Modigliani (1884-1920) : Portrait de Picasso (1915)
Coleman Hawkins (1904-1969) : Picasso (1948)

Matthias Grünewald (1480-1530) : Isenheimer Altar (1506-1515) : Grablegung (Auszug)
Paul Hindemith (1895-1963) : Symphonie Mathis der Maler (1934), II. Grablegung

Wassily Kandinsky (1866-1944) : Impressionen III (1911)  
(Nach einem Konzert in München mit Klaviermusik von Arnold Schönberg)
Arnold Schönberg (1874-1951) : 6 Kleine Klavierstücke op. 19 (1911)
I) Leichte zarte Achtel 
II) Langsame Viertel 
III Sehr langsame Viertel
IV) Rasche, aber leichte Viertel
V) Etwas rasche Achtel

VI) Sehr langsame Viertel


Roman Haubenstock-Ramati (1919-1994) : Konstellationen  (1970-71) Partitur
Roman Haubenstock-Ramati (1919-1994) : Konstellationen

Roman Haubenstock-Ramati (1919-1994) : Pour Piano (1973) Partitur
Roman Haubenstock-Ramati (1919-1994) : Pour Piano (1973)

Anestis Logothetis (1921-1994) : Styx (1969) Partitur
Anestis Logothetis (1921-1994) : Styx (Für Zupforchester)

Hiroshima (1945)
Krzysztof Penderecki (1933-2020) : Threnody to the Victims of Hiroshima (1959- 61)

Hieronymus Bosch (1450-1516) : Garten der Lüste (Triptychon) : Rechter Seitenflügel : »Die musikalische Hölle« (1490-1500)
Deep Purple (1968-1976) : Chasing Shadows (1969) : Plattencover: Die musikalische Hölle (Bosch)

Hans Memling (1430-1494) : Das Jüngste Gericht (1471)
György Ligeti (1923-2006) : Requiem (1963-1965), III. De Die Judicii Sequentia (Dies Irae)

Felix Nussbaum (1904-1944 im KZ Auschwitz) : Triumph des Todes (1944)

Viktor Ullmann (1898-1944 im KZ Auschwitz) : Der Kaiser von Atlantis (Oper, 1943), Totentanz (Intermezzo)

Stalingrad (1943)
Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) : Symphony No. 8 in C minor, Op. 65 (Im Gedenken an die Opfer von Stalingrad), IV. Largo (1943)

Gottesmutter von Wladimir (1100) Russland : Byzantinische Ikone 
Sofia Gubaidulina (1931*) :  De Profundis (Für Bajan solo, 1978)

Anselm Kiefer (1945*) : Der fruchtbare Halbmond (2008)
Klaus Huber (1924-2017) : Intarsi (1993-94), IV. Epilogo: Giardino arabo

Jaque Callot (1592-1634) : Der Galgenbaum (1632) : 30jährige Krieg (1618-1648)
Johann Hermann Schein (1586-1630) : Die mit Tränen säen (1623)

Pieter Brueghel der Ältere (1530-1569) : Die Sieben Tugenden : Gerechtigkeit (1562)
Heinrich Schütz (1585-1672) : Die mit Tränen säen (1648), SWV 378 (Psalm 126) 

Arshile Gorky (1904-1948) : the plough and the song (1947)
Earle Brown (1926-2002) : Music For Cello & Piano (1955)

Atlas de poche des oiseaux de France, Suisse, et Belgique : Merle noir (1898)
Olivier Messiaen (1908-1952) : La Merle noir (1952)

Anonymus : Blackbird : fourth quarter of 13th century (after 1277)
The Beatles (1960-1970) : Blackbird (1968)

Heinrich Vogeler (1872-1942) : Frühling – Aktporträt Martha Vogeler mit Amsel (1909)
Diana Krall (*1964) : Bye, Bye Blackbird (2009)

J. S. Bach (1685-1750) : Sonaten und Partiten für Violine solo (BWV 1001–1006) : Sonate I g-Moll, BWV 1001 : Adagio (Autograph, 1720)
J. S. Bach (1685-1750) : Sonaten und Partiten für Violine solo (BWV 1001–1006) : Sonate I g-Moll, BWV 1001 : Adagio

Willem de Kooning (1904 – 1997) : Reclining Figure (1972)
John Cage (1912 – 1952) : seven Kaiku : VI. for Willem de Kooning

Karlheinz Stockhausen (1928 – 2007) : Studie II : Partitur (Auszug)
Karlheinz Stockhausen (1928 – 2007) : Studie II : Partitur (Auszug)

(Literaten)Café „Les Deux Magos“ (Die zwei Händler) in Paris.

Häufige Gäste: Verlaine, Rimbaud, Mallarmé, Oscar Wilde, André Breton, André Gide, Louis Aragon, Elsa Triolet, Jean Giraudoux, Jaques Prévert, Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Enst Hemingway, Albert Camus u.a.

Charles Aznavour (1924 – 2015) : La Bohéme (1966)

Beatles (1960 – 1970) : Textentwurf : The Word : Song aus dem Album „Rubber Soul“ (1965)
Beatles : The Word (Lenon/McCartney)

Wassily Kandinsky (1866 – 1944) : Graphische Umsetzung der 5. Symphonie von L. v. Beethoven.

In dieser Schrift werden zwei Grundelemente behandelt, die zum allerersten Anfang jedes Werkes in der Malerie dienen, ohne die dieser Anfang nicht möglich ist und die gleichzeitig ein erschöpfendes Material für die selbständige Art der Malerei darstellen – Graphik.
Also muss hier mit dem Urelement der Malerei angefangen werden – mit den Punkt.

(Kandinsky Punkt udn Lilnie zu Fläche – Bauhausbücher, 1926)

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) : 5. Symphonie (1808), I. Satz : Allegro con brio

Isidore-Stanislaus Henri Helman (1743 – ca. 1809)

König Zhou von Shang (Di Xin) und seine Konkubine Daji,
dargestellt in Faits mémorables des empereurs de la Chine, tirés des annales chinoises (1788)

Daji wurde vor allem bekannt für ihre Erfindung einer Foltermethode namens Paolao. Ein mit Öl bedeckter Bronzezylinder wurde wie ein Ofen mit darunter liegender Holzkohle erhitzt, bis seine Seiten extrem heiß wurden. Das Opfer wurde gezwungen, auf der Oberseite des sich langsam erhitzenden Zylinders zu laufen, so dass das Opfer seine Füße anheben musste, um die Hitze zu vermeiden. Die ölige Oberfläche machte es dem Opfer schwer, seine Position und die Balance zu halten. Wenn das Opfer in die Holzkohle fiel, wurde es lebendig verbrannt. Das Opfer wurde gezwungen zu tanzen und im Todeskrampf zu schreien, während König Zhou und Daji zuschauten und vor Freude lachten.

Renald Deppe (1955) : Chinesisches Brautlied der Daji, Nebenfrau des Königs Di Xin (gestorben 1122 v. Chr.), welcher dieser einen Alkohol-Pool und einen Fleisch-Wald einrichtete.
Für zupfgerupfte Saiteninstrumente, stopfende Blechbläser und viel Tamtam. (Dem RSOWien zugeeignet)
Klang-Graphein nebst Spielanweisungen: Tusche, Eisengallustinte, Feder auf Bütten- und Braunholzmaterialien.

Ö1 : 100 Meisterwerke
: https://oe1.orf.at/artikel/219960/Renald-Deppe

ich spreche mit meiner hand,
du hörst mit deinen augen.
shitao (1642 – 1707 n. Chr.)

das tradierte „be- und verzeichnen“ der klänge ist wunderbares kulturgut.
aber ich glaube auch an ein gedächtnis der worte, klänge für augen und ohren jenseits der golbal be- und genutzten norm-verschriftung (norm-verkaufbarkeit) von Musik.
das erfordert : öffnung und bereitschaft und beschäftigung = zeit.
(zeit ist Geld – geld ist Zeit.)
in diesem sinne danke ich allen mitwirkenden für das erwiesene herzlichst.

p.s.:
nun,
mit dem Gedächtnis hat unsere Zeit
bekanntermaßen generell allerhand probleme…

(Renald Deppe)


Johannes Vermeer (1632 – 1657) : Junge Frau an einem Virginal sitzend (um 1672 – 1675) : London, Natinal Gallery
William Byrd (1543 – 1623) : Fitzwilliam Virginal Book : John come kisse me now

Billie Holiday (1915 – 1959)

 Ein großer Künstler kann etwas ganz Gewöhnliches nehmen und, durch schiere Kunst und Willenskraft, ein Kunstwerk daraus machen.
Manche Sänger können ein sehr schlechtes Lied nehmen und es, einfach aufgrund ihres ungeheuren Stilgefühls und ihrer Kraft, in etwas erstaunliches Verwandeln – zum Beispiel Billie Holiday.
Billie Holliday hat in ihrem ganzen Leben kaum je ein wirklich gutes Lied gesungen, aber sie nahm diese völlig mittelmäßigen Lieder und machte daraus ein erstaunliches Kraftwerk an Stil und Kunst.
Sie war jemand, die einen Apfel aus dem Korb holen und ein Kunstwerk daraus machen konnte, ganz gleich, wie faul der Apfel war.

Truman Capote (1924 – 1984) : Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie. (Gespräche mit Lawrence Grobel)

Billie Holiday : Don’t Explain (Rare Live Recordings 1934 – 1959)

Willem de Kooning (1904 – 1997) in seinem Atelier (1961)

Wenn wir auch im Leben alles tun, um der Angst zu entgehen, in der Kunst müssen wir uns doch auf sie einlassen. Das ist schwer. 

(Morton Feldman)

Morton Feldman (1926 – 1987) : De Kooning : For Horn, Percussion, Piano, Violin and Cello (1963)

William Hogarth (1697 – 1764) : Die schlafende Gemeinde : National Gallery of Art
Kurt Weill (1900 – 1950) : Die Dreigroschenoper (1928) : Morgenchoral des Peachum

Alfred Hrdlicka (1928 – 2009) : Skulptur des Kopfes von Robert Schumann vor dem Schumannhaus Bonn (2003)
Robert Schumann (1810 – 1856) : Dichterliebe, Op. 48 (1840) : XIII.  Ich hab‘ im Traum geweinet

Andy Warhol (1928 – 1987) : Marilyn Monroe (1962)
Max Raabe (*1962) : Ich schlaf am besten neben dir… (2013)

In Gedenken an den Armenischen Genozid (1915 – 1916) : Geschätzte 1,5 Millionen Todesopfer. 
Armenische Kirche der 40 Märtyrer : Aleppo (Einst Verwaltungsstadt im Osmanischen Reich).
Armenien : Armenian Lament (1915) : Anonymous (Oral Tradition)

Jimmy Giuffre (1921 – 2008) : Syncopate : Score (1965)


1965
2. Januar: erste offene Schlacht zwischen Südvietnam und Vietcong.

 21. Februar: Malcolm X wird in New York City ermordet.

 7. März: Außerhalb der Stadt Selma (Alabama) stoppt die Staatspolizei durch Einsatz von Knüppeln und Tränengas den ersten von drei Protestmärschen. Etwa 600 Bürgerrechtsdemonstranten wollten in Alabamas Hauptstadt Montgomery ziehen. Gouverneur George Wallace sieht im Marsch eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit.

 30. März: Ein Autobombenanschlag auf die Botschaft der Vereinigten Staaten in Saigon führt zum Tod von 22 Menschen, 188 werden verletzt.

 6. August: US-Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnet den Voting Rights Act und erklärt damit allen Afroamerikanern ausdrücklich das Wahlrecht zu, was wesentlich zur gesetzlichen Gleichstellung Schwarzer in den USA führte.

»Ihr könnt keinen Kapitalismus haben ohne Rassismus.«

Malcolm X : Rede am 29. Mai 1964.

»Man kann kein kapitalistisches System betreiben, wenn man kein Geier ist; man muss das Blut von jemand anderem saugen, um Kapitalist zu sein.«

Malcolm X (1925 – 1965) : Rede vom 20. Dezember 1964.

Jimmy Giuffre : Syncopate : New York Concerts (1965)

Ernst Förster (1800 – 1885) : Jean Paul (Portrait : Jean Paul dichtet in seiner Gartenlaube in Bayreuth)
Die Gedanken sind frei… (Deutsches Volkslied über die Gedankenfreiheit, um 1800)
Konstantin Wecker (*1947) : Die Gedanken sind frei… (Alternative Fassung, 2015)

• ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

Die Gedanken sind frei. Deutsches Volkslied.

Der Text stammt um das Jahr 1780, der Dichter ist unbekannt. 
Die Melodie stammt um das Jahr 1810, auch der Komponist ist unbekannt.

Der Text wurde 1780 zum ersten Mal auf anonymen Flugblättern veröffentlicht. Etwa dreißig Jahre später entstand die Melodie dazu. 1842 wurde das Lied von Hoffmann von Fallersleben in seiner Sammlung „Schlesische Volkslieder“ veröffentlicht. Die Grundidee allerdings, die stammt mindestens aus dem 13. Jahrhundert. In Versform gefasst hat sie offenbar erstmals ein süddeutscher Sinnsprücheschreiber namens Freidank:

diu bant mac nieman vinden, 
diu mîne gedanke binden. 
man vâhet wîp unde man, 
gedanke niemen gevâhen kan.

Die Bänder wird niemand finden, 
die meine Gedanken binden. 
Man fanget Weib und Mann, 
Gedanken niemand fangen kann.

Freiheit im Denken war aber nicht immer etwas Selbstverständliches. Dieses Privileg stand lange Zeit nur den Herrschenden zu. Untertanen hatten sich ihnen auch im Denken anzuschließen. Heutzutage nehmen sich dieses Recht nur noch Diktaturen heraus. Weil das Konzept der Gedankenfreiheit seit der Aufklärung unterdrückten Völkern und Individuen Trost und Hoffnung spendete, hat das Lied viele Umdichtungen und Aktualisierungen erfahren. Wir finden es in „Des Knaben Wunderhorn“, Gustav Mahler hat es vertont, und Sophie Scholl stellte sich im August 1942 abends an die Gefängnismauer und spielte ihrem inhaftierten Vater die Melodie auf der Flöte vor. Und es gibt wohl kaum ein Volkslied, das so oft von Rock- und Punkmusikern gespielt worden ist wie „Die Gedanken sind frei“. Es ist eine Wahrheit, die tatsächlich für alle Seiten und Zeiten gilt.

HYMNE DES WIDERSTANDS : DIE GEDANKEN SIND FREI (BR-Klassik) 


Hanns Kralik (1900 – 1971) : Liedblatt des Moorsoldatenlieds (1933) : Aktionskomitee DIZ Emslandlager e. V., Papenburg

 Am Nachmittag des 27. August 1933 erklang im nordwestdeutschen Konzentrationslager Börgermoor zum ersten Mal das Lied der Moorsoldaten, »schwer und dunkel, im Marschrhythmus« gesungen von einem 16-köpfigen Chor der kommunistischen Gefangenen.Diese Premiere bildete den emotionalen Höhepunkt des »Zirkus Konzentratiani«, eines artistisch-humoristischen Programms der Häftlinge.Die Zuhörer waren überwältigt von diesem eingängigen Lied, das im schleppenden Rhythmus die alltägliche Trostlosigkeit der Männer beschrieb, die in den Mooren des Emslands fernab der Heimat Zwangsarbeit leisten mussten.Bis 1945 sangen die Häftlinge das Moorsoldatenlied neben vielen anderen Lagerliedern in ihren Muttersprachen.Es fand zudem seinen Weg in die Internationalen Brigaden des Spanischen Bürgerkriegs und in die französische Résistance.Bis heute gibt es wohl kaum eine Gedenkveranstaltung an Orten ehemaliger Konzentrationslager, bei der nicht dieses Lied erklingt.

Juliane Brauer (*1975) : …so machtvoll ist der Heimatlieder Klang : Musik im Konzentrationslager (2009)

Ernst Busch (1900 – 1989) : Wir sind die Moorsoldaten…

Die Toten Hosen : Wir sind die Moorsoldaten… : Ballast der Republik (2012)

Volksempfänger : Baujahr 1933
Hanns Eisler (1898 – 1962) : An den kleinen Radioapparat (1942)

Du kleiner Kasten, den ich flüchtend trug
Daß seine Lampen mir auch nicht zerbrächen
Besorgt von Haus zum Schiff, vom Schiff zum Zug
Daß meine Feinde weiter zu mir sprächen
An meinem Lager und zu meiner Pein
Der letzten nachts, der ersten in der Früh
Von ihren Siegen und von meiner Müh:
Versprich mir, nicht auf einmal stumm zu sein!

Text : Bertolt Brecht (1898 – 1956)


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